Dann ging es gemeinsam weiter in die Altstadt zur
Touristeninfo und auf die Suche nach einer (preiswerten)
Unterkunft. Gelandet sind wir schliesslich im Hotel Postravenu. Das
Doppelzimmer für 96 RON je Nacht inklusive
Frühstück. Duschen gab es auf den Flur. Alles in allem
können wir dieses Hotel empfehlen. Es liegt an der
Fußgängerzone. Das Frühstück war an beiden
Tagen ausgezeichnet, die Zimmer waren sauber. Pensionen und Hostels
sind nicht besser, aber preisintensiver, so haben wir zumindest
festgestellt.
Wir waren schon oft in Kronstadt. Auch dieses Mal
waren wir von der Stadt und dem Umland begeistert. Die Stadtmauer
wird weiter saniert, der Weisse und der Schwarze Turm sind
restauriert. Abends tobt sich die Jugend aus. Da erscheint
Hermannstadt provinzieller.
Enttäuscht waren wir von der
Innenausstattung des "Karpartenhirsches". Steril und kein Vergleich
zu früher, wo man nur ein paar Stunden bei Schwarzbier
ausharren musste, um garantiert einen Bekannten aus der Heimat zu
treffen.
Dieses Jahr hatte ich den Eindruck, dass die
Stadt ihre deutsche Geschichte mit allen Mitteln ignoriert. Im
Stadtmuseum sind die Beschriftungen ausschließlich in
Rumänisch und Englisch.Ich konnte auf der Zeittafel
einen einzelnen deutschen Bezug entdecken: Der Marktplatz sei
germanischen Ursprungs.
Ebenso fehlen dort Hinweise, dass Kronstadt mal
eine Zeit lang Stalin hieß.
Auch Rumänien ist nicht in der Lage mit
seiner eigenen Geschichte kritisch umzugehen.
In der Touristeninfo spricht niemand Deutsch oder
will es nicht. Ein Test unsererseits, wie den die deutsche
Bezeichnung für die Tampa lautet, wurde mit Achselzucken
quittiert.
Leider reiht sich der "Sicherheitsdienst" der
Schwarzen Kirche in diese Negativbeispiele ein. Nach dem
Orgelkonzert am Samstag wurden die Hörer regelrecht aus der
Kirche gejagt. Für eine Reisegruppe aus den Niederlanden, die
15 Stunden im Bus saß, um eben auch am Konzert teilzunehmen,
und es doch um einige Minuten verpasste, führte kein Weg
hinein.
Um so ärgerlicher für die Kirche. Am
Sonntag gab die Pfarrerin nach dem Gottesdienst den Ertrag der
letztsonntäglichen Kollekte bekannt : 239 neue Lei, 15 €
und 21 $.
Die Spende der Reisegruppe hätte dem
bestimmt nicht viel nachgestanden !
Die Evangelische Kirche A.B. muss finanziell auf
Rosen gebettet sein, obwohl manche Kirchenburg abseits der
Hauptstraßen schon visuell einen anderen Eindruck vermittelt
!
Überhaupt wollte man mir auch hier wieder am
Sonntag die Teilnahme am Gottesdienst verweigern. Erst als ich
eidesstattlich erklärte, in der Lage zu sein eine volle Stunde
in der Kirche zu überstehen, liess man mich hinein.
Übertroffen wurde diese Ignoranz nur tags
zuvor auf der Post. Auf unseren Wunsch hin, Briefmarken zu kaufen,
wurden wir gefragt, ob nach Rumänien oder nach Europa.
Eigentlich hätten wir es besser wissen müssen. Aber
treuherzig antworteten wir : nach Europa. Briefmarken für
Europa gibt es heute nicht - so die Antwort der Schalterbeamtin.
Auch unsere Bitte nach Briefmarken nach Rumänien und
dafür eben ein paar mehr, wurde abweisend beantwortet, da wir
ja unsere Karten nach Europa schicken möchten !
Ich konnte mich kaum beruhigen. Meine von den
anderen missbilligte Kernaussage:
So ein Land gehört nicht in die EU !